Hybrid-DRG: Steuerungsfähigkeit entscheidet jetzt über Zukunftsfähigkeit

Hybrid-DRG: Steuerungsfähigkeit entscheidet jetzt über Zukunftsfähigkeit

Warum Kliniken jetzt konkret handeln müssen – und wie das Controlling die Transformation steuert.

Kurzer Einstieg in die Thematik

Hybrid-DRG bedeuten eine sektorengleiche Vergütung ausgewählter Leistungen – unabhängig davon, ob sie ambulant oder stationär erbracht werden. Damit verändert sich die betriebswirtschaftliche Logik vieler Krankenhäuser grundlegend. Nicht die medizinische Leistung steht infrage, sondern ihre organisatorische und ökonomische Einbettung.

Der zentrale Erfolgsfaktor ist nun aktive Steuerung – und diese beginnt im Controlling.

Was jetzt konkret zu tun ist

1. Transparenz schaffen: Leistungs- und Ergebnisanalyse

• Identifikation aller betroffenen Hybrid-DRG-Fälle der letzten 12–24 Monate
• Fallzahlentwicklung je Hybrid-DRG
• Durchschnittliche Verweildauer
• Ist-Kosten pro Fall (Vollkosten und Grenzkosten)
• Deckungsbeitrag pro Fall
• Anteil am Gesamtdeckungsbeitrag der Fachabteilung

Ziel ist die klare Beantwortung: Welche Leistungen sind stationär defizitär? Welche sind ambulant wirtschaftlich tragfähig?

2. Szenario-Rechnungen entwickeln

• Simulation reduzierter Verweildauern (0–1 Tage)
• Kalkulation ambulanter Prozesskosten
• Differenzierung variabler, sprungfixer und fixer Kosten
• Simulation von Auslastungs- und Erlöseffekten

Das Controlling muss realistische Transformationspfade modellieren – keine linearen Erlösfortschreibungen.

3. Prozesskosten im OP- und Kurzliegerbereich analysieren

• OP-Wechselzeiten
• Auslastungsgrade
• Personalbindung je Fall
• Prä- und poststationäre Prozessanteile

Zentrale Steuerungsgröße: Deckungsbeitrag pro OP-Minute.

4. Kapazitäts- und Bettenplanung anpassen

• Analyse zukünftiger Bettenbedarfe
• Prüfung funktionaler Umwidmungen
• Anpassung der Personalstruktur

Ziel ist die Vermeidung schleichender Fixkostendegression bei sinkender Auslastung.

Wie Controlling jetzt arbeiten muss

• Aufbau einer Hybrid-DRG-Deckungsbeitragsrechnung auf Fall- und DRG-Ebene
• Einführung zeitbasierter OP-Produktivitätskennzahlen
• Etablierung monatlicher Hybrid-DRG-Reviews mit Geschäftsführung und ärztlicher Leitung
• Verzahnung von medizinischer Indikationssteuerung und betriebswirtschaftlicher Transparenz

Controlling wird vom Berichtswesen zur aktiven Steuerungsinstanz.

Fazit: Struktur vor Resignation

Hybrid-DRG wirken schleichend – und genau darin liegt ihr Risiko. Margen erodieren, Auslastungen sinken, Strukturen verlieren Tragfähigkeit.

Wer jetzt Transparenz schafft, Szenarien rechnet und Prozesse konsequent misst, behält Handlungsspielraum. Wer wartet, reagiert später unter Druck.

Struktur vor Resignation bedeutet: Zahlen offenlegen, Realität akzeptieren und Transformation aktiv führen.

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